
Irgendwann neulich gab es da mal in einer kleinen Stadt, in der Nähe von Hamburg eine Familie. Diese bestand aus 4 Personen: Vater Hans, Mutter Gisela und die Geschwister Hänsel und Gretel.
Alle lebten glücklich und zufrieden, bis das Unheil auf sie zukam – es nannte sich „Hartz IV“ und sollte schon bald das idyllische Familienglück, dieser sozialen Unterschichtsfamilie, zerstören.
Nachdem die Eltern nun auf dieses Geld angewiesen waren und das Kindergeld vom Staat schon mit dem erreichen des 16ten Lebensjahres gestrichen wurde, schmissen die Eltern Hänsel und Gretel kurzer Hand auf die Straße, mit der Aufgabe sich gefälligst einen Job zu suchen.
Und das Abenteuer der beiden begann.
So wanderten beide Tag ein, Tag aus durch die Großstadt von Hamburg auf der Suche nach einem Arbeitsamt. Da nun glücklicherweise im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ein Paragraph vorhanden war, der nun lautet, dass man in Deutschland deutsch spricht – konnten sie an englischen Straßenschildern einigermaßen den Weg finden, den sie gesucht haben. Vorbei an Waschküchen, Fernsehstudios, Friseursalons, Supermärkten und Drogendealern kamen sie schlussendlich doch noch an ihr Ziel.
Sie betraten dieses subventionierte Glasgebäude, wo am Eingang ein Schild mit der Aufschrift „Wenn Sie hier Hilfe suchen, dann sind sie falsch“ hing. Doch das schreckte die naiven Obdachlosen nicht ab und sie betraten freudestrahlend die Bundesagentur für Arbeit und kamen sogar mit einem Ein-Euro-Job als Altenpfleger wieder heraus – und als wäre das nicht genug, bekamen sie sogar schon ihren ersten Rentner – eine alte Dame, die zurückgezogen in einem Wald wohnte. Ihr Name war Frau Nervig und sie war extrem pflegebedürftig.
Am nächsten morgen fuhren Hänsel und Gretel in einem gelben, verqualmten Taxi zum Haus der alten Frau. Auf den ersten Blick hatte es etwas von einer Holzhütte mit großem Vorgarten. In diesem standen Birnenbäume, Haselnuss- und Brombeersträucher. Die Fenster des Hauses hatten grüne Rahmen und einen gewissen Touch von etwas skandinavischen. – Auf den zweiten Blick stellte sich jedoch heraus, dass dieses Gebäude aus Lebensmitteln gebaut und mit Kalorien zementiert wurde. Bei diesem Anblick würde sich jedes kleine Kind, welches von seiner Mutter zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt bekommen hat, sich die fehlende Liebe und Wärme durch das Verzehren dieses Hauses zurückholen – doch hatte Gretel ein Figurproblem und Hänsel war Diabetiker.
So bewunderten beide dieses kulinarische Meisterwerk und traten ein. Beide gingen durch den großen Flur in die Küche, wo die alte Frau saß. Sie trank lieblichen Rum, aß Pfefferkuchen und guckte sich im Fernseher die Sendung „Zwei bei Kallwass“ an (Eine Konfliktberatung, die ihresgleichen sucht).
Die Dame erschreckte sich und fragte, wer die beiden denn seien – und die Geschwister erklärten ihr die zustande gekommene Situation, dass sie von ihren Eltern rausgeschmissen wurden und nun organische Überreste (auch bekannt als Rentner) pflegen müssen. Die alte Dame zündete sich eine Zigarre an und antwortete hustend mit: „Gut gut, Ich bin Frau Nervig und werde wohl in einigen Belangen eure Hilfe gut gebrauchen können“
Und das war dann auch so. Es stellte sich heraus, dass diese Frau mehr als unselbstständig war und weder von alleine aufstehen, noch sich etwas zu essen kochen konnte, obwohl sie früher Konditormeisterin in einem chinesischen Teigwarenladen war, was die Erscheinung der Hütte erklärt. Die „gute“ Dame war wirklich auf die Hilfe angewiesen.
Beide bekamen am Abend im Haus der Dame ein Zimmer zugewiesen und so endete für Hänsel und Gretel der erste Tag – und schon bald sollte sich herausstellen, wie Frau Nervig zu ihren Namen gekommen ist.
Beide genossen die Ruhe vor dem Sturm, als am nächsten Morgen das Dilemma begann. Die alte Frau kam nicht aus dem Bett, Gretel musste den ganzen Tag nur putzen, Gartenarbeit erledigen und kochen. Währenddessen musste Hänsel die Frau aus dem Bett hieven, Holz aus dem naheliegenden Waldsammeln, das Dach reparieren und andere Sachen, die das Leben schwerer machen tun.
Dieser Zustand dauerte nun wochenlang so an. Dieser Job wurde zu einem wahrlichen bürgerlichen Trauerspiel, mit Mord am Ende – denn die Frau Nervig hatte immer etwas an der Arbeit der beiden auszusetzen. Entweder war der Fußboden nicht sauber genug, die Kartoffeln übersalzen oder es wurde zu wenig Holz gesammelt.
Eines Tages fassten beide den Entschluss, dass es so nicht weitergehen kann, da der Gehalt einfach nicht gerechtfertig – und diese Knochenarbeit ein Horrortrip ist.
Als Gretel an einem sonnigen Tag ein Brot im Steinofen der alten Frau buk, da dieser in den meisten Pizza-Kochsendungen im Fernsehen immer angehimmelt wird, ist ihr ein genialer Einfall gekommen – und zwar hat sich das Brot nach einiger Zeit in Asche verwandelt, weil Gretel die ganze Zeit mit ihrem Handy rumgespielt hat, da sie im Jamba-Sparabo so tolle Spiele bekommt.
„Dies könne man doch sicher auch mit Menschen machen“, dachte sie sich und erzählte es gleich dem Hänsel. Dieser war begeistert von dem Geistesblitz seiner Schwester. Wenn sie Frau Nervig in den Ofen schieben würden, hätten sie ein Problem weniger und bekämen sogar noch die Rente.
Gesagt getan. Am nächsten Tag nutzten sie beim Mittagessen die Situation aus. Frau Nervig guckte gespannt ihre Lieblingsmittagssendung „Punkt 12“ . Katja Burkard verwies auf einen Beitrag von Roberta Bieling, dass Nazan Eckers meinte, dass Pamella Anderson betrunken und ohne Hose bei einer Party aufgetaucht war, und neben David Hasselhof jetzt als weiterer Ex-Baywatch-Star eine steile Karriere nach unten ablegte.
Jedenfalls fesselten sie die Frau nun unspektakulär, steckten sie in den Steinofen und verbrannten Sie. Da sich das provisorische Gebiss der alten Frau in einem Wasserglas mit Kukident befand, konnte man die Schreie nicht hören und mit einer stark rußenden Flamme verabschiedeten sich zwei der größten Probleme der Geschwister.
Von nun an kassierten sie freudestrahlend die Rente der alten Frau und führten ein schönes Leben auf Kosten des Staates.
Und wenn die Ämter es noch nicht herausgefunden haben, kassieren sie das Geld auch heute noch.
- Aequitaz
Related posts:

2 comments
Midna says:
Dez 11, 2008
Giesela du spielst mit mir-Nein isch möschte nischt XD
z0rn says:
Jan 6, 2009
es heißt “das Gehalt”, nicht “der Gehalt” ^^